Diskussion mit den Anteilseignern der Bayer AG

Lob für Strategie des Unternehmens

Punktlandung für den Bayer-Chef. In seiner ersten Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender konnte Dr. Marijn Dekkers die Aktionäre überzeugen. Der Tenor in der von Aufsichtsratschef Dr. Manfred Schneider geleiteten Diskussion: Der Trend stimmt. Die Anteilseigner bescheinigten Dekkers und seinem Team gute Perspektiven für die Zukunft des Konzerns.
Standen den Aktionären Rede und Antwort (v.l.): Aufsichtsratschef Dr. Manfred Schneider, Bayer-Chef Dr. Marijn Dekkers und Finanzvorstand Werner Baumann.Bild vergrößern
Standen den Aktionären Rede und Antwort (v.l.): Aufsichtsratschef Dr. Manfred Schneider, Bayer-Chef Dr. Marijn Dekkers und Finanzvorstand Werner Baumann.
„Wir haben heute eine sympathische, richtige und ambitionierte Rede von Ihnen gehört“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nach der Rede des Bayer-Chefs. Sie sei richtig gewesen, weil die für die Aktionäre wichtigen Themen adressiert worden seien. Zudem sei darin zum Ausdruck gekommen, dass im Unternehmen Aufbruchstimmung herrsche – und sie sei sympathisch gewesen, weil Dekkers seine Rede auf Deutsch gehalten habe. „Wir sehen die Bayer AG nach Herrn Wenning bei Ihnen in guten Händen.“ Dem stimmte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger zu: „Ihre Bestellung war eine kleine Revolution für die Bayer-Kultur. Nach Ihrer Rede haben wir gespürt, dass der Aufsichtsrat recht gehabt hat. Dr. Marijn Dekkers ist bei den Aktionären angekommen. Willkommen!“
Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann bedankte sich bei den Mitarbeitern des Unternehmens für ihr Engagement.Bild vergrößern
Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann bedankte sich bei den Mitarbeitern des Unternehmens für ihr Engagement.
Anerkennung gab es auch für den guten Start in dieses Jahr. „Das erste Quartal ist vom Markt sehr positiv aufgenommen worden“, sagte ein Aktionär. Es sei richtig gewesen, die Prognose für das Gesamtjahr zur erhöhen. Neben der positiven wirtschaftlichen Entwicklung lobten die Aktionärsvertreter vor allem die Strategie des Unternehmens. Die geplante weitere Geschäftsausweitung in den Schwellenländern sei richtig, sagte zum Beispiel Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Im Verlauf der mehrstündigen Diskussion bekräftigte Dekkers, wie wichtig Asien/Pazifik für das Geschäft von Bayer sei. Im vergangenen Jahr habe die Region bereits 21 Prozent des Konzernumsatzes ausgemacht.

Großes Potenzial für Xarelto

Ein besonders wichtiges Thema in der Aussprache war das Potenzial des Medikaments Xarelto™. Kein orales Antithrombotikum werde derzeit mit so vielen Patienten und in so vielen Indikationen untersucht wie Xarelto™, berichtete Dekkers. Insgesamt würden die Studien mehr als 65.000 Patienten einschließen. „Ein großes kommerzielles Potenzial sehen wir vor allem in chronischen Anwendungsgebieten“, so der Bayer-Chef. Hierzu zählten beispielsweise die Vorbeugung von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern. Anträge für die Zulassung in dieser Indikation seien Anfang des Jahres in Europa und den USA eingereicht worden – und kürzlich auch in Japan. „Insgesamt trauen wir Xarelto™ einen jährlichen Spitzenumsatz von über zwei Milliarden Euro zu“, so Dekkers.
Weitere Schwerpunkte der Diskussion waren auch die Auswirkungen der staatlichen Gesundheitsreformen. Bayer erwarte für dieses Jahr eine Gesamtbelastung von annähernd 300 Millionen Euro für das weltweite Geschäft – davon rund 30 Millionen Euro in Deutschland, berichtete Dekkers.
Innovationen für die Medizin: Melanie Zanfrini (v.l.) und Katja Reich (M.) mit Dr. Meike Niesten.Bild vergrößern
Innovationen für die Medizin: Melanie Zanfrini (v.l.) und Katja Reich (M.) mit Dr. Meike Niesten.
Ziel müsse es sein, Transparenz und Berechenbarkeit bei der Bewertung von Innovationen sicherzustellen. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich der weltweite Trend zur Kosten-Nutzen-Bewertung bei innovativen Medikamenten weiter verstärken wird“, erklärte der Unternehmenschef. „Von daher werden wir auch weiterhin durch vielfältige Studien nachweisen, dass unsere Produkte diesen Anforderungen genügen und damit auch von den Kostenträgern angemessen erstattet werden.“
Die Anteilseigner diskutierten auch über den zunehmenden Wettbewerb durch Generika im Pflanzenschutz. „Die beste Antwort auf die Konkurrenz durch Generika ist unsere Innovationskraft. Wir können mit Stolz behaupten, eine der besten Pipelines im Bereich Pflanzenschutz zu besitzen“, sagte Dekkers. Zwischen 2000 und 2009 habe Bayer insgesamt 23 neue Wirkstoffe eingeführt. Bis zum kommenden Jahr würden sechs weitere Wirkstoffe zur Marktreife gebracht. Heute seien nur noch etwa 25 Prozent aller Pflanzenschutzprodukte patentgeschützt – im Bayer-Portfolio sei der Anteil mit etwa 50 Prozent deutlich höher.
Reges Treiben auf dem Aktionärsboulevard in den Kölner Messehallen. Knapp 4.000 Anteilseigner besuchten die Bayer-Hauptversammlung.Bild vergrößern
Reges Treiben auf dem Aktionärsboulevard in den Kölner Messehallen. Knapp 4.000 Anteilseigner besuchten die Bayer-Hauptversammlung.
 

Innovative Produkte für den Pflanzenschutz

„Es kommt im Pflanzenschutz also darauf an, innovative Produkte anbieten zu können, um einen guten Preis zu erzielen“, so Dekkers. Dabei sei nicht allein der Wirkstoff ausschlaggebend. Auch neue Formulierungen könnten einen höheren Preis rechtfertigen, wenn sie einen besseren Wirkungsgrad erzielen würden oder für den Landwirt einfacher anzuwenden seien.
Baumwolle im Fokus (v.l.): Bernhard Grupp im Gespräch mit Dr. Ursula und Walter Schulte sowie Irmgard und Hubert Weißhaupt.Bild vergrößern
Baumwolle im Fokus (v.l.): Bernhard Grupp im Gespräch mit Dr. Ursula und Walter Schulte sowie Irmgard und Hubert Weißhaupt.
„Wir haben jedoch auch Verbesserungspotenziale ausfindig gemacht, die wir nun systematisch umsetzen“, so Dekkers. Die Kostenstrukturen würden optimiert und die frei werdenden Mittel gezielt in den Bereich Bio-Science, in die Vermarktung neuer Produkte und in den Ausbau strategischer Wachstumsmärkte investiert. „Damit wollen wir CropScience in allen Bereichen noch effizienter gestalten.“

MaterialScience hervorragend erholt

Für das Geschäft von MaterialScience wurde unter anderem der Einfluss der steigenden Rohstoffkosten zur Sprache gebracht. In diesem Zusammenhang berichtete Dekkers, dass sich der Teilkonzern hervorragend von der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt habe. „2010 konnten wir den Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 30 Prozent steigern. Diese positive Entwicklung hat sich zu Beginn des Jahres fortgesetzt.“ Zwar seien in Folge der Erholung der globalen Wirtschaft sowie der politischen Situation im Nahen Osten die Rohstoff- und Energiekosten deutlich gestiegen. „Aber durch signifikant höhere Verkaufspreise gelang es uns, das im Wesentlichen zu kompensieren.“ Und das Unternehmen sei zuversichtlich, die gestiegenen Rohstoffpreise auch auf das ganze Jahr gesehen eins zu eins über höhere Absatzpreise an die Kunden weitergeben zu können. „Dies ist uns im ersten Quartal bereits gelungen“, so Dekkers.
Veränderungen in der Konzernstruktur seien zurzeit kein Thema, stellte Dekkers auf die entsprechende Frage eines Aktionärs klar. „Unsere Strategie basiert auf den drei Geschäftsfeldern Gesundheit, Pflanzenschutz und Kunststoffe“, so Dekkers. In einem großen Konzern wie Bayer sei es wichtig, dass jeder Teil ein attraktives Geschäft betreibe und mindestens so gut sei wie der Wettbewerb. „Sonst besteht die Gefahr, dass man in das schwächste Glied zu wenig investiert, weil dort zu wenig Rendite gemacht wird. Glücklicherweise sehen wir insoweit bei uns aktuell keinen Handlungsbedarf. Unsere drei Teilkonzerne operieren profitabel und wettbewerbsfähig auf attraktiven Märkten“, sagte Dekkers. In diesem Zusammenhang erklärte der Bayer-Chef, dass das Unternehmen in erster Linie organisch wachsen wolle, aber regelmäßig auch Möglichkeiten für Zukäufe prüfe. Akquisitionen seien vor allem bei HealthCare und CropScience vorstellbar.
Großplakate in der Eingangshalle boten den Besuchern Einblicke in das Erfinder-Unternehmen Bayer.Bild vergrößern
Großplakate in der Eingangshalle boten den Besuchern Einblicke in das Erfinder-Unternehmen Bayer.
 

Höherer Frauenanteil in Führungspositionen

Einen großen Raum nahm in der Diskussion das Thema Frauenförderung in Unternehmen ein. Dabei spielte auch die Frage einer gesetzlichen Quote für Führungspositionen eine zentrale Rolle. „Uns überzeugen starre Vorgaben nicht“, bekräftige Dekkers. Bei der Besetzung seien Leistungsfähigkeit, Motivation und Engagement entscheidend. „Dennoch sehen wir, dass wir noch zu wenig Frauen in Managementpositionen haben.“ Deshalb habe sich das Unternehmen zu Beginn des Jahres entschlossen, den Frauenanteil in Führungspositionen bis 2015 konzernweit in Richtung 30 Prozent zu entwickeln. Die Anzahl hervorragend qualifizierter Frauen sei bei Bayer aber inzwischen so groß, dass sich Bewerberinnen im internen Wettbewerb um vakante Führungs-positionen künftig häufiger durchsetzen würden – „auch ohne Unterstützung einer gesetzlichen Quote“.
Ein Aktionär hinterfragte die Bemühungen des Konzerns, den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid zu reduzieren. „Zur Kritik besteht kein Anlass“, sagte Dekkers. Das Unternehmen habe das wirtschaftliche Wachstum von den Treibhausgas-Emissionen entkoppelt. Zwar hätten die Emissionen im Jahr 2010 um 4,9 Prozent zugenommen, aber gleichzeitig verzeichnete Bayer einen erfreulichen Produktionszuwachs von fast 20 Prozent. Diese signifikante Entkopplung sei durch Verbesserungen der Verfahrenstechnik und eine höhere Auslastung der Anlagen realisiert worden. Diese Leistungen würden auch von unabhängigen Institutionen anerkannt. So sei Bayer aktuell in verschiedenen führenden Nachhaltigkeits-Indizes vertreten, beispielsweise im „Dow Jones Sustainability World Index“ und „Dow Jones Sustainability Europe Index“. Zudem wurde Bayer in 2010 erneut in den „Carbon Disclosure Leadership Index“ aufgenommen – als bestes Unternehmen der Branche.
Des Weiteren drehte sich die Diskussion unter anderem um Themen, die bereits auf der vergangenen Hauptversammlung eine Rolle spielten – wie die Sicherheit der oralen Verhütungsmittel der YAZ™-Familie, die Auseinandersetzung um das ehemalige Schering-Mittel Duogynon/Primodos, das Bienensterben, LL RICE und die CO-Pipeline. Aufsichtsratsvorsitzender Schneider, Bayer-Chef Dekkers und Finanzvorstand Werner Baumann beantworteten alle Fragen detailliert und umfassend. Bei der abschließenden Abstimmung folgten die Aktionäre mit großer Mehrheit den Anträgen von Aufsichtsrat und Vorstand.
Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Manfred Schneider (r.) und Bayer-Chef Dr. Marijn Dekkers waren zufrieden mit dem Verlauf der Hauptversammlung.Bild vergrößern
Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Manfred Schneider (r.) und Bayer-Chef Dr. Marijn Dekkers waren zufrieden mit dem Verlauf der Hauptversammlung.
 
http://www.hv2011.bayer.de/de/Bericht-ueber-die-Hauptversammlung.aspx

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